"Partizipation in der Landesentwicklung und entwicklungspolitischen Zusammenarbeit in Zentralasien am Beispiel von Kirgistan und Tadschikistan"

 

Zusammen mit

Akademie der Wissenschaften, Bishkek (Kirgistan) und

Universitäten von Khatlon und Khorog (Tadschikistan)

 

1.         Ziele

Mit anteiliger Förderung durch die VW-Stiftung soll die Frage der Partizipation in der Lan­desentwicklung in Kirgistan und Tadschikistan theoretisch und praktisch untersucht werden. Einerseits geht es darum, „traditionelle“ Formen der Partizipation zu identifizieren und zu untersuchen, wie diese mit den durch die internationale Entwicklungszusammenarbeit (EZ) in den betreffenden Ländern propagierten Partizipationsvorstellungen kompatibel sind. Ein anwendungsorientiertes Ergebnis der Forschungen für die EZ soll die Erarbeitung von Vor­schlägen zum Umgang mit Partizipation in Kirgistan und Tadschikistan sein, d.h. wie kann die EZ auf unterschiedlichen Interventionsebenen eine erfolgreiche Bevölkerungsbeteiligung bei ihren Vorhaben erreichen (einschließlich von best practices).

 

2.         Projektdarstellung

Gegenstand des auf drei Jahre (Mitte 2005 bis Mitte 2010) angelegten Forschungsvorha­bens ist die Untersuchung von partizipativen Prozessen innerhalb der Transformationen, insbesondere der Dezentralisierung und Privatisierung von vormals staatlichen Aufgaben in den beiden zentralasiatischen Republiken Kirgistan und Tadschikistan.

Die Untersuchung versteht sich als Beitrag zur internationalen Partizipationsforschung, wo­bei der Fokus einmal auf den entwicklungspolitischen - stark vom Westen geprägten - Dis­kurs allgemein gerichtet ist und zum Zweiten auf die Anwendbarkeit des Partizipationsge­dankens in der Entwicklungszusammenarbeit (EZ) am Beispiel der Referenzländer. Dies impliziert auch eine Auseinandersetzung mit der Frage nach der Relativität von Partizipation.

Die Untersuchungen beinhalten die Analyse von gesellschaftlicher Partizipation in den bei­den Untersuchungsländern auf regionaler und sektoraler Ebene und bezieht die typischen entwicklungspolitischen Einheiten "Projekt" und "Programm" mit ein. Die geplanten Arbeiten sollen dazu beitragen, auf der Grundlage der Analyse von Entscheidungsfindungsprozessen mögliche und angemessene Formen der gesellschaftlichen Partizipation herzuleiten und in einen entwicklungspolitischen Kontext zu stellen: Was hätte Entwicklungspolitik mit Blick auf die Förderung von Partizipation und die Anwendung partizipativer Verfahren zu beachten angesichts vorhandener Entscheidungsprozesse und vor dem Hintergrund der Transforma­tionen?

Nach bisherigen Erfahrungen sind die miteinander verschränkten Sektoren Wasserversor­gung / Wassernutzung und Ernährungssicherung / Landwirtschaft am besten für eine Unter­suchung geeignet, zumal sie neben der industriellen Entwicklung und dem Energiesektor die wohl wichtigsten Teilbereiche des Transformationsprozesses darstellen. Der Bereich der Gewerbeentwicklung und entsprechend der Wirtschaftsförderung auf Seiten der EZ soll da­bei nicht ausgespart werden.

Das Forschungsvorhaben will im weiteren Kontext die Angemessenheit und Anwendbarkeit des Partizipationsgedankens in der Entwicklungspolitik und der entwicklungspolitischen Zu­sammenarbeit auf allgemein-konzeptioneller sowie Länder- und Projektebene erörtern.

In mehreren Arbeitsabschnitten ist beabsichtigt

  1. zunächst eine Bilanz des Umgangs mit Partizipation innerhalb der wissenschaftli­chen und entwicklungsbezogenen Debatte zu ziehen,
  2. die Erfahrungen der nationalen Entwicklungspolitiken wie auch der Entwicklungszu­sammenarbeit mit Kirgistan und Tadschikistan bezüglich partizi­pativer Vorgehensweisen auf den verschiedenen Ebenen auszuwerten,
  3. partizipative Prozesse in den Entwicklungssektoren "Wasserversorgung" und "Er­nährungssicherung/Landwirtschaft" zu beobachten und hinsichtlich ihrer Wirkun­gen auf den verschiedenen Ebenen zu analysieren,
  4. daraus abzuleiten, was unter Partizipation im sozio-kulturellen Kontext der beiden Länder verstanden wird und (v) Möglichkeiten der Förderung von Partizipation in der Landesentwicklung aufzuzeigen.

Die Ergebnisse des Forschungsvorhabens werden in unterschiedlicher Form präsentiert, die teilweise im Laufe der Untersuchungen und zusammen mit den Partnern festgelegt werden sollen. Die Veröffentlichung der zusammengefassten Ergebnisse soll auch in englischer Sprache erfolgen.

 

3.         Entwicklungspolitische Bezüge

Entwicklungspolitische Bezüge ergeben sich aus dem Forschungsvorhaben in dreierlei Hin­sicht:

  1. Erstens wird das Verständnis der Bevölkerung in den Partnerländern im Hinblick auf Partizipation untersucht, d.h. es werden z.B. die Fragen untersucht „Wie voll­zieht sich Partizipation zur Zeit und welche Forderungen sind aus Sicht der Be­völkerung damit verbunden?“
  2. Zweitens ist geplant, eine Bestandsaufnahme partizipativer Vorgehensweisen wich­tiger in Kirgistan und Tadschikistan tätiger bilateraler und multilateraler Geber durchzuführen und die Kompatibilität dieser Ansätze mit den überkommenen Mit­wirkungsformen zu untersuchen.
  3. Drittens sollen anhand der Untersuchungsergebnisse Vorschläge ausgearbeitet werden, wie in Projekten und Programme der Gebergemeinschaft Partizipation besser, d.h. in einer den sozio-kulturellen Verhältnissen angemessenen Form er­folgen kann.

 

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